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  DIE GESCHICHTE DER VEREINSFAHNE

Im Protokoll einer Mitgliederversammlung vom 16. Februar 1907 wurde erstmalig über die Anschaffung einer Fahne gesprochen und die Beratung hierzu auf den 2. März 1907 festgesetzt. Zum besagten Termin erschienen je ein Vertreter der Bonner und Hildesheimer Fahnenfabrik und legten ihre Muster und Zeichnungen vor. Nach einstimmigem Beschluss erhielt die Fahnenfabrik A. Dreyer den Auftrag, welcher laut Contrakt im Protokoll verzeichnet steht:
Die Fahnenfabrik Dreyer verpflichtet sich, dem Turnverein Bockhorn eine Fahne wie folgt zu liefern: Größe: 1,30 x 1,50 m mit Cantillen-Fransen besetzt Vorderseite: dunkelblau/rote Seide und Namen: Turnverein Bockhorn, Eichenkranz, gegründet 27. 8. 1898. Schrift: weiß, Ecken gelbes Ornament. Von dieser Seite erhält der Verein eine Originalzeichnung, welche auf Wunsch abzuändern ist. Rückseite: rot/weiße Seide mit Wappen, 57 x 71 cm Ecken: sechsblätterige Eichenzweige mit Verbindungen. Inschrift: »Ein freies Volk voll Einigkeit und Kraft sei das Panier der deutschen Turnerschaft« Stange: zweiteilig glatt und Nussbaum poliert. Fahnenspitze: No. 1000 in 4 E Tragriemen: Lackleder verstellbar. Überzug: schwarzes Leder. Schärpen: rot/weiße Wolle mit Goldbesatz”. 1 Paar Cantillen-Quasten mit Schnur. Kostenpreis: 285 Mark, in Buchstaben: zweihundertfünfundachtzig Mark, Lieferbar: 1. Mai 1907, Zahlbar netto beim Empfang innerhalb 8 Tagen. Die Fahne steht laut Schein unter 20jähriger Garantie. Verpackung frei. Die Stickereien sind sämtlich durchgestickt. Malereien sind nicht auf der Fahne.
Auf einer der nächsten Versammlungen wurden Hermann Reiners zum Fahnenträger und Georg Seghorn und Anton Wölbern zu Fahnenjunkern gewählt. Die Fahnenweihe fand am 5. Mai 1907 statt. Die Fahne wurde von Heinrich Wölbern in Obhut genommen und 1919 dann Adolf Wenninga zur Aufbewahrung übergeben. Zu jeder Veranstaltung wie Gauturnfesten, Verbandsturnfesten, Stiftungsfesten und Wettkämpfen war es Tradition, die Vereinsfahne mitzuführen. 1925, also zwei Jahre vor Ablauf der Garantie, musste die Vereinsfahne einer gründlichen Ausbesserung unterzogen werden. In der Zeit des Nationalsozialismus war mit Sicherheit keine Gelegenheit da, die Fahne in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vereinsfahne nicht mehr aufzufinden. Man vermutete, dass entweder Militärangehörige der Siegermächte die Fahne mitgenommen hatten oder dass sie vernichtet wurde.
1954 wurde eine neue Vereinsfahne aus weißem Tuch mit den vier Fs (Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei) angeschafft und am 25. März 1954 geweiht. Der Vorsitzende Dr. Reil übergab die Vereinsfahne dem Fahnenträger und sagte unter anderem: »Wo die Fahne steht und weht, da sind wir, da ist unser Verein.«
Völlig überraschend erhielt der Turnverein 1973 seine alte, nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundene Vereinsfahne zurück. Sie wurde kommentarlos und ohne Absender dem Verein aus Kanada übersandt. Die Fahne war in einem schlechten Zustand, aber die Freude darüber, sie wieder in Besitz zu haben, war groß. 1983 entschloss sich der Verein, diese Fahne restaurieren zu lassen. Finanzielle Unterstützung hierzu fand sich durch private Spenden in Höhe von 700,00 DM und Zuschüsse der Gemeinde in Höhe von 1100,00 DM. Der Verein selbst musste noch 1800,00 DM aufbringen. Anlässlich des Stiftungsfestes am 4. Dezember 1984 wurde unsere Vereinsfahne, getragen von Jens Peter Gottwald und gefolgt von Turnerinnen der verschiedenen Abteilungen im damaligen Vereinslokal »Gaststätte Junker« geweiht.
Heute wird die Fahne beim Vereinsvorstand sorgfältig verwahrt. Zu besonderen Gelegenheiten wie Turnerbällen, Turnschauen und anderen festlichen Anlässen wird die Fahne präsentiert.